© 2018 Reiner Wandler

Schweinereien

Spaniens Schweinezucht steht im Kreuzfeuer der Kritik, nachdem sich das beliebte Rechercheprogramm Salvados im Privatsender LaSexta am vergangenen Sonntag der Branche widmete. Programmchef Jordi Évole stieg dabei zusammen mit Tierschützern von Animal Equality (AE) in eine Farm in Alhama im südostspanischen Murcia ein. Was sie dort vorfanden und filmten, war nur schwer zu ertragen.

Viele der 900 Tiere hatten riesige Abszesse, andere schwere Eingeweidebrüche und von Fliegenmaden infizierten Geschwüre. Zwischen den zusammengepferchten Tieren lagen sterbende und tote Schweine. Einige der Kadaver wiesen bereits Bissspruren ihrer lebenden Artgenossen auf. „Wir haben schon viel gesehen, doch das übertrifft alles“, erklärt der AE-Direktor in Spanien, Javier Moreno. Die Farm produziert für Cefusa, der Holding rund um den größten spanischen Wursthersteller El Pozo. Dieser vertreibt seine Produkte auch in Deutschland über REWE, Edeka und bei Amazon. AE startete umgehend eine Kampagne, gegen die Vermarktung der El Pozo Produkte.

Mit erstem Erfolg: Die REWE-Group – zu der auch Penny und Merkurmarkt in Österreich gehören – nahm gestern El Pozo Produkte „vorsorglich“ aus dem Regal. „Die Aufnahmen sind schockierend und erschütternd“, heisst es in der Stellungnahme des Unternehmens gegenüber der taz. Man toleriere „grundsätzlich keine Verstöße gegen den Tierschutz, ganz gleich, ob diese von einem Lieferanten oder einer von ihm beauftragten Firma begangen wurden“. REWE forderte „El Pozo“ zu einer Stellungnahme auf und beauftragte Untersuchungen durch „eine neutrale und unabhängige Kontrollstelle“. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, „werden wir selbstverständlich unverzüglich die Geschäftsbeziehungen beenden“, heisst es weiter. Edeka nahm bis Redaktionsschluss keine Stellung.

El Pozo wurde von Reporter Évole im Laufe der Dreharbeiten mehrmals um ein Interview angefragt und weigerte sich ebenso, wie der Schweinezuchtverband Interporc. Während der Ausstrahlung der Reportage meldete sich El Pozo schließlich per Twitter zu Wort. Es handle sich um Aufnahmen, „die die Realität verzerren“. Die Tiere seien nie für den menschlichen Verzehr bestimmt gewesen; es handle sich um eine Farm für kranke Tiere, „die unter Überwachung stehen, um ihre Entwicklung zu beobachten“.

„Das ist eine Beleidigung der Verbraucher“, sagt der spanische AE-Chef Moreno. Es gäbe keine „Krankentrakts“ für Schweine. In Spanien werden jährlich 47 Millionen Tiere geschlachtet. Sechs Millionen überleben die Aufzucht nicht. Sie sterben auf den Farmen. In der Reportage selbst erklärt der Besitzer der fraglichen Farm, dass er für Cefusa produziere, und dass es seinen Schweinen „hervorragend“ gehe. AE will dies vor Gericht gegen El Pozo nutzen.

Ein Vertreter der Regionalregierung gesteht ein, dass er nur 44 Kontrolleure für die 1.500 Schweinezuchtbetriebe in Murcia habe. Diese kündigen ihre Besuche bis zu 72 Stunden zuvor an.

Die Bwhörden legen sich nur ungern mit der Fleischindustrie an. Sie ist der viertgrößte industrielle Sektor in Spanien, gleich hinter Automobil-, der Öl- und Brennstoffindustrie sowie der Stromerzeugung. Der jährliche Umsatz beträgt 22 Milliarden Euro – rund 2 Prozent des spanischen Brutto-Inlandsproduktes.

Was bisher geschah: