© 2008 Reiner Wandler

Auferstanden aus Ruinen

Granadilla in der Provinz Cáceres im spanischen Extramadurien hat eine bewegte Geschichte. Der Ort entstand im Mittelalter. König Fernando II gründete das Dorf im Süden des Gredos-Gebirges. Es ist bis heute von einer vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben. Eine Burg überragt den Eingang. Das Dorf bekam den Namen Granadilla, kleiner Granatapfel. Die Frucht steht im Mittelmeerraum für Wohlstand.

In den 50er Jahren kam dann nach fast 800 Jahren Geschichte das Aus. Die Behörden der Franco-Diktatur beschlossen, die umliegenden Täler in einen Stausee zu verwandeln.

Die gesamte Gemarkung wurde enteignet. Die Olivenhaine und die Weiden, die bis dahin der Bevölkerung ein Einkommen sicherten, versanken in den Fluten. Die Olivenbäume, die weiter oben am Hang standen, bekamen durch den Anstieg des Grundwasserspiegel regelrecht nasse Füsse. Manche wurden in andere Dörfer umgepflanzt. Viele starben ab.

Die Zufahrtsstraßen versanken bis auf eine ebenfalls im See. Was bis dahin einer der wichtigsten Orte der Region war, versank in Armut. Die Menschen verließen nach und nach den Ort. Die Gebäude begannen zu verfallen.

Erst Mitte der 60er entdeckten die Behörden das Dorf wieder. Langsam begann die Restaurierung der wichtigsten Gebäude. Seit 1980 rücken jeden Sommer Jugendliche aus allen Herren Ländern an, um beim Wiederaufbau zu helfen. Feriencamps beleben die alten Gassen. Nach und nach erstrahlt Granadilla wieder in seiner ursprünglichen Bracht.

Granadilla ist eines der besten Beispiele, wenn es um die Siedlungsform im Mittelalter geht. Innerhalb der Stadtmauer befinden sich nicht nur die Wohngebäude und Stallungen sondern auch Gärten mit Oliven-, Feigen- und Granatäpfelbäumen.

Alljährlich, an Allerheiligen kommen die ehemaligen Bewohner und ihre Nachfahren nach Granadilla. Sie besuchen den Friedhof und Gedenken ihrer Hinterbliebenen mit einem großen Fest. Überall rund um die Stadtmauer grillen sie und rösten Kastanien.

Was bisher geschah: